KRÄNKUNGEN


Wenn ein Mensch eine Kränkung erlebt, ist er in seinen Gefühlen, in seiner Ehre, in seiner personalen Offenheit - dem Selbstwert verletzt, in der dritten Grundmotivation sprechen wir von einem Gefühl des Selbstverlusts.

Eine Kränkung kann so weit gehen, dass sie wirklich körperlich krank macht. Solche Anzeichen sind dann zB Übelkeit, Ekel bis hin zum Erbrechen; seelisch kann diese Verletztheit bis zum Selbstverlust gehen.

Im Alltag kommen diese in geminderter Form häufiger vor; mit einem gesunden Selbstwert und Selbstvertrauen kann man mit diesen Verletzungen einen Umgang finden.

Kränkung kann krank machen.
Kränkung kann krank machen.
Oft erfolgt eine Kränkung, wenn man übersehen oder übergangen wird. Wichtig dabei ist, sich auch Klarheit darüber zu verschaffen, ob es sich dabei nicht um einen Irrtum oder ein Versehen gehandelt hat und man sich "umsonst" kränkt.


Auch das Nicht-Gesehen-Werden kann kränken, wenn sich jemand Ihren Namen trotz Wiederholungen nicht merken kann oder will oder Sie schon absichtlich nicht mit Ihrem richtigen Namen anspricht oder man häufig übergangen wird.



Feedback, auch wenn es noch so professionell gedacht und gemacht ist, erzeugt oft Kränkungen, die man, weil sie meist im beruflichen Kontext entstehen, in diesem Moment dann einmal schlucken muss. Man hat zum Beispiel einen Fachvortrag wochenlang sorgsamst vorbereitet und auf die Zielgruppe ausgerichtet, die nicht nur aus Fachleuten sondern auch Personen aus anderen Abteilungen besteht, und nach dem Vortrag kommen dann Meldungen wie "Sie haben bei den fachspezifischen Themen ziemlich genuschelt, sind Sie da nicht ganz sattelfest?" oder "ganz nett aber unnütz, ich habe nichts von dem, was Sie da so von sich gegeben haben, verstanden", ... und es reicht auch schon ein "Herr Kollege, darüber sollten wir uns noch einmal etwas ausführlicher unterhalten, falls Ihnen das möglich ist".

In all diesen Bemerkungen findet sich kein Schimpfwort, aber alle Aussagen entwerten, wenn auch unterschwellig.


Im familiären Bereich fällt mir prompt ein Klient ein, dessen Frau ihm zwischen Tür und Angel mitgeteilt hat, dass Sie ein Verhältnis mit einem über zehn Jahre jüngeren Mann hat und sich deshalb scheiden lassen wird.

So eine Aussage kann einen durchaus umhauen!

Dieser Mann ist jahrelang verheiratet, vermeint sich in einer liebevollen ehelichen Beziehung voller Vertrauen, hat sein Leben mit seiner Gattin geplant, Kinder gezeugt und aufgezogen, ein Haus für die Familie gebaut - und plötzlich ist er nichts mehr wert? Wird gegen einen Jüngeren ausgetauscht???

Und das darf nicht weh tun?

Hier herrschte zuerst einmal Fassungslosigkeit. Und in diesem der Ohnmacht nahen Zustand kann man auch nicht vernünftig auf die eigenen Bedürfnisse zugreifen; man denkt nicht an essen und trinken, dass die Kinder von der Schule abgeholt werden müssen usw. Und da ist es ganz wichtig, ein Umfeld zu haben, das einen sofort auffängt oder eben eine Krisenintervention.

Dann kommt die Wut. Wut empfinden wir, wenn etwas Persönliches, das uns wichtig und wesentlich ist, nicht gesehen oder missachtet wird. Das Empfinden und das Zulassen von Wut, aber auch die Fähigkeit, diese Wut zum Ausdruck zu bringen, ist wichtig, um den Selbstwert auf einem guten Niveau zu halten und bei erfahrener Kränkung wieder zu stabilisieren. Ohne Wutempfinden ist der Mensch oft in hohem Maße störbar und verletzlich. Von besonderer Bedeutung ist dabei der Umgang mit Aggressivität, die im ungünstigsten Falle übersteuert und als Selbstschädigungstendenz gegen die eigene Person gerichtet wird.

Fassungslosigkeit über eine Kränkung
Fassungslosigkeit über eine Kränkung

Das ganze Lebensgerüst, der Schutz und Halt einer die Beziehung zum geliebten Menschen, alle sozialen gemeinsamen Kontakte, das Bild nach außen - die heile Welt einer intakten Familie - bröckelt in einem Augenblick völlig auseinander. Die Achtung und Wertschätzung der Familie und des betroffenen Mannes - das alles hat keinen Sinn mehr (für ihn) - und er selber sieht den eigenen Sinn und Wert in sich selber auch nicht mehr.

Und dieser Zustand kann zusätzlich noch massive Angst erzeugen.

Das heißt es wird dann nicht nur notwendig sein, am Selbstwert, an der Wut und am gesamten Grundgerüst zu arbeiten, sondern auch die Angst wird möglicherweise ein Thema sein.

Auch hier ist es meist erforderlich, professionelle Hilfe - also Beratung und/oder Krisenintervention - in Anspruch zu nehmen.

Selbstwertverlust, Wut und Angst als Folgen einer schweren Kränkung
Selbstwertverlust, Wut und Angst als Folgen einer schweren Kränkung

Sollten Sie meine Hilfe benötigen, bin ich gerne für Sie da!

Sie möchten mich kontaktieren?